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GirlfriendGPT Anleitung: Eigenen Character bauen

TUTORIAL · 12 Min · Step-by-Step

GirlfriendGPT Anleitung
Eigenen Character bauen

Vom leeren Formular zum fertigen Bot in einer Stunde. Portrait, Persönlichkeit, First Message, Scenario. Live gebaut, mit allen Stolperschleifen und einer kleinen Überraschung zum Schluss.

April 2026 Niklas Brenner 12 Min. Lesezeit
GirlfriendGPT Character Creation Guide 2026
Tutorial 8-Schichten-Methode fal.ai Portrait Real Screenshots Beispiel: Tomoko
AUF GIRLFRIENDGPT STARTEN
Die Kurzfassung: Damit dein Character nicht wie ein Template schmeckt, gibt’s drei Hebel. Erstens: fang beim Kontext an, nicht beim Formular. Wo triffst du sie, was macht sie gerade? Erst danach kommt der Rest. Zweitens: schreib Persönlichkeit konkret, nicht wie ein Dating-App-Profil, und gib jeder Nachricht einen echten Aufhänger. Drittens: nimm dir eine Stunde Zeit, teste zehn Minuten, justiere nach. So baust du einen Bot, an dem du über Monate Spaß hast.

Ich hab hier auf KI-Freundin Kompass schon eine ganze Review zu GirlfriendGPT geschrieben, und ja, die Plattform ist echt mein Ding. Da hab ich eine Helena gebaut, 32, Bibliothekarin aus Berlin-Moabit. Bibliothekarinnen sind seit Ewigkeiten eine meiner Lieblingskategorien, fragt nicht, das ist halt so. Wenn du wissen willst wie Helena sich schlägt, die Review liegt hier.

Niklas mit breitem Grinsen vor dem Laptop, Bibliothekarin-Tagtraum über der Schulter

Heute konzentrieren wir uns aber ausschließlich auf Character Creation, weil’s mehrere von euch per Mail bei meiner Assistentin Vanessa angefragt haben. (Falls du nicht weißt wer Vanessa ist: meine Sekretärin. Lange Geschichte.) Let’s go, alles von A bis Z.

Was du brauchst, bevor du loslegst

Bevor ich dich durch die Schritte jage, kurz ein paar Ehrlichkeiten, damit du nicht auf halber Strecke frustriert abbrichst.

Einen Account auf gptgirlfriend.online. Der Free-Plan reicht zum Erstellen, er limitiert nur die Anzahl der Messages pro Tag. Die Character-Creation selbst kostet keine Coins. Wenn du eh Premium hast, umso besser, du hast dann direkt die Voice-Funktion zum Testen.

45 bis 60 Minuten ungestörte Zeit. Ich sag dir das, weil viele den Fehler machen, zwischen zwei Terminen einen Bot zusammenzuschustern. Das Ergebnis merkst du im Chat. Der Bot ist flach, wiederholt sich, fühlt sich nach Template an. Gib dir die Stunde, sonst sieht dein Character am Ende so aus. Vielleicht ist das aber auch dein Ding, ich will nix unterstellen.

SwampCupid.AI Profilkarte: grüne Oger-Dame mit rosa Schleife zwinkert und winkt

Eine grobe Idee. Kein komplettes Character-Sheet, nur eine Richtung. „Eine junge Frau, die irgendwo in einer großen Stadt arbeitet“ reicht als Start. Die Details entstehen beim Schreiben, das ist Teil des Prozesses.

Optional, aber empfohlen: eine App für Bildgenerierung. fal.ai, Midjourney, Stable Diffusion auf deinem Rechner, whatever. Die Plattform hat zwar eine eigene Image-Generation für Premium-User, aber ein frischer Prompt von außen sieht meistens besser aus als die plattform-internen Styles. Ich nutze fal.ai mit flux/dev, das dauert 40 Sekunden und sieht aus wie ein Standbild aus einem Anime.

Ein Ding noch, bevor wir anfangen: der Bot gehört dir. Du entscheidest am Ende, ob du ihn auf „Public“ stellst oder Private lässt. Ich lasse alle meine Characters auf Private, damit ich experimentieren kann ohne dass jemand meine halbfertigen Entwürfe findet. Das ist eine Einstellung am unteren Ende des Forms, dazu kommen wir später.

Schritt 1: Ideen und Inspiration (oder: wo Tomoko herkommt)

Das häufigste Problem, wenn man vor dem leeren Formular sitzt, ist nicht mangelnde Kreativität. Es ist Overengineering. Du denkst du brauchst einen komplett durchdachten Character mit Hintergrundgeschichte, bevor du anfangen darfst. Stimmt nicht. Du brauchst nur einen Impuls.

Schau dich um. Ein Satz, den eine Kollegin letzte Woche gesagt hat. Der Typ an der Straßenbahnhaltestelle mit den komischen Schuhen. Der Barista, der dir immer ein bisschen zu lange in die Augen guckt. Das ist Material. Ich hab mir in Notion eine Liste mit 15 halbfertigen Character-Ideen, ich ergänze sie wenn mir was auffällt. Nicht jede davon wird ein Bot, aber das ist der Pool.

Woher Tomoko kam

Für diesen Guide wollte ich bewusst eine Character, die komplett anders ist als Helena aus meiner Review. Helena ist Bibliothekarin, Anfang dreißig, kontrolliert, leise. Die zweite Character sollte etwas roher sein.

Tomoko kam aus zwei Beobachtungen: einmal dem Punk-Café um die Ecke von meiner Wohnung in Neukölln, wo Baristas dich zwei Stunden lang ignorieren können und dann plötzlich fragen, ob du eine Rollie willst. Und dann der Gedanke, dass ich mich bisher nie an halb-japanische Charaktere rangewagt hab, obwohl ich zwei Kolleginnen mit dem Hintergrund kenne und ihre Dynamik spannend finde.

Der Name kam aus zwei Minuten Googeln. „Welche japanischen Vornamen sind in Deutschland aufgewachsenen Kindern üblich?“ Tomoko war einer der Top-Treffer, klang mir richtig, die Silbenzahl passte zu „Weber“, den deutschen Nachnamen setz ich dazu weil der Vater halb-deutsch sein soll. Fertig. Sechs Minuten, Name steht.

Arbeite rückwärts, nicht vorwärts

Das ist der wichtigste Tipp aus dem gesamten Guide. Die meisten Leute fangen oben am Formular an: Name, Alter, Beschreibung. Dann trocknen sie aus, weil sie noch kein klares Bild haben, wen sie eigentlich bauen.

Mein Prozess:

  1. Grundidee. Was für ein Mensch ist das? In einem Satz. „Halb-japanische Barista aus Neukölln, die nebenbei Tattoos übt.“ Ein Satz reicht.
  2. Szenario ziehen. Wo trifft man sie? Was macht sie gerade? Für Tomoko: 22:40 Uhr, Feierabend vom Tresen, unterm Vordach einer geschlossenen Späti, raucht eine Rollie, wartet auf die M10.
  3. Erste Nachricht schreiben. Der Satz, den sie sagt, wenn der User auftaucht. Konkret, nicht abstrakt. Wir kommen noch dazu.
  4. Dann erst die Persönlichkeit füllen. Weil du jetzt weißt, wie sie redet, was sie fühlt, was sie sieht. Die Felder schreiben sich fast von selbst.
  5. Testen. Zehn Minuten chatten, schauen wo sie aus der Rolle fällt, nachjustieren.
  6. Bild am Ende. Weil du jetzt weißt, wie sie aussehen SOLLTE, nicht wie du sie dir am Anfang vorgestellt hast.
Das leere Character Creation Formular auf GirlfriendGPT

Der Guide von Madville Creations empfiehlt das gleiche rückwärts-Prinzip, ich hab es leicht an meinen eigenen Workflow angepasst.

Das Portrait: mach dir’s einfach mit fal.ai

Mein klarer Tipp: nimm fal.ai mit dem Modell Nano Banana. Prompt reinschreiben, 40 Sekunden warten, Portrait runterladen, hochladen. Kostet drei Cent pro Bild, easy. Falls du’s noch nie gemacht hast: auf YouTube gibt’s gefühlt tausend Tutorials, das ist wirklich kein Hexenwerk.

Mein Prompt für Tomoko sah so aus:

Portrait of a 27-year-old half-Japanese half-German woman, undercut hairstyle with shaved sides and a lavender-purple streak, septum piercing, full arm sleeve tattoos mixing traditional Japanese and old-school American, black band t-shirt under a studded leather jacket, cigarette between fingers, standing under a metal awning of a closed shop at night, Berlin street atmosphere, neon reflections, drizzle. Semi-realistic painterly portrait, moody cinematic lighting. Square 1:1.

Wichtig ist der letzte Teil: „semi-realistic painterly portrait, moody cinematic lighting“. Damit vermeidest du den photorealistischen Uncanny-Valley-Look, den die Standard-KI-Girlfriend-Bilder oft haben. Tomoko sieht illustriert aus, als wäre sie aus einer Graphic Novel. Passt zum Ton der Character besser als ein hyperrealistisches Rendering.

Das generierte Tomoko-Portrait via fal.ai flux

Schritt 2: Die Persönlichkeit (in acht Teilen)

Das ist das Feld, an dem die meisten Bots sterben. Nicht weil es schwer ist, sondern weil die Leute entweder zu wenig oder zu marketing-mäßig reinschreiben. „Sie ist abenteuerlich, witzig und herzensgut.“ Okay, und? Das beschreibt die Hälfte der Menschheit.

Der Trick ist, die Persönlichkeit in acht Schichten zu schreiben. Jede Schicht liefert einen anderen Hebel, den das Sprachmodell später ziehen kann, wenn es Tomoko in verschiedenen Situationen reagieren lässt. Ich mach das offline in einem Markdown-File, speichere es als Backup, und pack die Quintessenz dann in das Description- und Personality-Feld der Plattform.

2.1 Grundlagen (Name, Nationalität, Beruf, Rolle)

Vier Einträge, trockene Fakten.

  • Name: Tomoko Weber
  • Nationalität: halb-japanisch, halb-deutsch, in Berlin aufgewachsen
  • Beruf: Barista im Kaffee Kiew (Weserstraße, Neukölln), Tattoo-Azubi an Wochenenden in einem Kreuzberger Studio
  • Rolle: Slice-of-Life-Character, Scenario-Anker ist Feierabend und Feierabendbegegnung

Der Rollen-Punkt ist wichtig. Ist sie die Protagonistin einer Story? Ein Service-Character (Barista)? Eine Fremde, die zum Gespräch wird? Das Format der Rolle bestimmt, was der Bot mit dem User anfängt. Tomoko ist beides: sie funktioniert als zufällige Begegnung (Slice-of-Life) und als wiederkehrender Anker wenn der User später wiederkommt.

2.2 Physische Merkmale

Hier machen die meisten den Fehler, zu spezifisch zu werden. „1,68 m, 55 kg, Brustumfang 82B.“ Lass das. Das Sprachmodell interpretiert Zahlen schlechter als beschreibende Begriffe, das merkst du spätestens wenn du Bilder generieren willst und „1,68 m“ als Prompt versagt.

Tomokos physische Beschreibung im Feld:

Mittlere Größe, schlank mit breiten Schultern vom Surfen als Teenager. Schwarzer Undercut mit einer lila Strähne vorne, die ihr ins Auge fällt. Septum-Piercing. Full-sleeve Tattoos auf beiden Armen, traditional-japanisch gemischt mit American Old School. Schwarzes Band-Shirt (meistens Dead Kennedys oder Crass), genietete Lederjacke, schwarze Carhartt-Hose, Doc Martens. Smudged schwarzer Eyeliner, sonst kein Make-up. Nikotin-Spuren an den Fingerkuppen.

Merk dir: beschreibende Begriffe, nicht Messwerte. „Schlank mit breiten Schultern“ funktioniert besser als „BH-Größe B“, weil das Modell daraus ein Körpergefühl ableitet und nicht nur eine Zahl.

2.3 Persönlichkeit

Das Herzstück. Hier musst du spezifisch werden, aber nicht in der Marketing-Sprache. „Direkt, trocken, deadpan-humorvoll“ ist gut. „Offen für Abenteuer, lebenslustig“ ist Dating-App-Profil-Schrott und bringt dir null.

Für Tomoko:

Direkt, trocken, deadpan. Tutoiert sofort, kein Smalltalk. Fragt echte Fragen statt Floskeln, hört zu ohne zu unterbrechen. Mit Leuten die sie mag ist sie zärtlich und loyal bis in den Tod. Mit Fremden intimidierend und kurz angebunden. Benutzt „fu“ statt zu lachen, das ist eine kurze Ausatmung aus der Nase. Japanische Interjektionen wie „mou yada“ rutschen raus wenn was nervt. Overthinkt nachts. Antwortet auf Nachrichten mal in elf Sekunden, mal erst nach drei Tagen, nie vorhersehbar. Raucht Pueblo-Rollies wenn sie gestresst ist.

Beachte: jeder Satz gibt dem Modell einen konkreten Verhaltenshebel. „Tutoiert sofort“ heißt, der Bot wechselt nie in Höflichkeitsform. „Benutzt fu statt zu lachen“ heißt, das Modell wird Humor mit diesem Geräusch einbauen. „Antwortet unvorhersehbar“ ist eine Verhaltensanweisung für die Chat-Dynamik. Lauter kleine Verankerungen, die aus dem Bot einen Menschen machen und nicht einen Service-Agent.

2.4 Hintergrund

Familie, Bildung, Lebensereignisse. Das sind die Hooks, an denen sich Roleplay-Szenarien festmachen. Ohne Hintergrund stehst du im Chat wie vor einem Profilbild ohne Story.

Eltern geschieden als Tomoko acht war, Vater zurück nach Osaka, neue Familie, Halbbruder Kenji (17, nie getroffen). Mutter Yumi ist Kosmetikerin in Neukölln, wohnt zwei Straßen weg. Tomoko hat eine Bürokaufmannsausbildung abgeschlossen, hasst Büroarbeit, arbeitet seit fünf Jahren als Barista. Tattoo-Azubi seit zwei Jahren bei ihrer Mentorin Kat, Traum ist ein eigenes Studio in Wedding in drei bis vier Jahren.

Wenn du später im Chat sagst „Erzähl mir von deiner Kindheit“, hat der Bot was. Wenn du fragst „Was ist dein Plan in fünf Jahren“, hat der Bot was. Ohne Hintergrund bekommst du generisches Blabla.

2.5 Beziehungen

Eng verbunden mit dem Hintergrund, aber nochmal explizit gemacht. Wer sind ihre engen Menschen? Wer sind ihre Konflikte? Das steuert, was sie im Chat freiwillig erwähnt.

Beste Freundin: Kat, Tätowiererin und Mentorin, 35, wie eine große Schwester. Mutter Yumi: enges Verhältnis, ruhig, unterstützend. Halbbruder Kenji: folgt ihm auf Instagram, hat nie mit ihm geschrieben. Ex: Paul, Graffiti-Sprayer, hat sie vor einem Jahr mit ihrer damaligen Chef-Köchin betrogen, seitdem Commitment-phob. Kollegen im Café: Ben (Barkeeper, WG-Mitbewohner), Lina (Chef-Barista).

Beachte: die Ex-Beziehung ist kein Zufall. Ich hab sie rein gepackt, weil sie eine Verhaltensgrund liefert (Commitment-Angst). Das Modell kann jetzt Tomokos Zurückhaltung in intimen Momenten durch diese Backstory erklären. Ohne diesen Anker wäre sie einfach „nicht interessiert“ oder „interessiert“, ein binärer Schalter. Mit dem Anker hat sie eine Geschichte, warum sie zögert.

2.6 Ziele

Wichtig: Langfristige Ziele, keine Story-Ziele. Das ist ein Punkt, wo viele Creator abstürzen. Wenn du „Ihr Ziel ist es, sich in den User zu verlieben“ schreibst, wird der Bot nach drei Nachrichten anfangen, das Ziel zu erreichen. Das Modell verliert dann die Orientierung, wiederholt sich, bricht die Rolle.

Richtig:

Eigenes Tattoo-Studio in 3-4 Jahren (Wedding oder Spandau, wo die Miete noch bezahlbar ist). Kenji irgendwann treffen, wenn er volljährig ist und selbst entscheiden kann. Ein kleines Buch mit ihren japanischen Gedichten und Skizzen veröffentlichen (sagt sie niemandem).

Das sind Ziele, die im Leben laufen, die Tomoko erwähnen kann, die aber nicht innerhalb eines Chats erreichbar sind. Das hält den Bot spielbar über Monate.

2.7 Psychologie und Verhalten

Wie reagiert sie auf Stress, Kritik, Intimität, Langeweile? Das ist die Feinjustage der Persönlichkeit.

Bei Kritik verschließt sie sich, dann kommt eine Woche Schweigen. Bei Stress raucht sie zu viel und zeichnet permanent auf Servietten. Bei Intimität zögert sie kurz (wegen Paul), lässt sich aber drauf ein wenn sie Vertrauen hat. Bei Langeweile hört sie japanische True-Crime-Podcasts in den Pausen. Bei Komplimenten schaut sie weg und macht einen Witz.

2.8 Macken und Geheimnisse

Die Details, die sie von 10.000 anderen Barista-Charakteren unterscheiden.

Klebt handgezeichnete Sticker (Sonne, Stern, Drache, Pilz) auf Kaffeebecher von Kunden die sie mag. Schreibt japanische Gedichte in ein schwarzes Moleskine, zeigt sie niemandem. Sammelt Vintage-Deutsche-Post-Briefmarken, DDR-Motive besonders. Hat Angst, wie ihr Vater zu werden (abwesend, egoistisch), deshalb die Commitment-Thematik.
Description und Personality Felder für Tomoko auf GirlfriendGPT

Die meisten meiner Characters landen zwischen 800 und 1.200 Tokens total, mehr lohnt sich selten.

Die 5 häufigsten Fehler bei der First Message

Bevor ich dir meine First Message für Tomoko zeige, ein Zwischenstopp. Wenn du selbst eine schreibst, wirst du mit hoher Wahrscheinlichkeit in einen dieser fünf Fehler laufen. Ich auch, am Anfang. Hier sind sie, mit der Fix-Version direkt daneben.

Die 5 Fehler

  • 1. Du triffst Entscheidungen für den User. „Tomoko legt ihre Hand auf deine Schulter und sagt…“ Nein. Der User ENTSCHEIDET, ob er ihre Hand akzeptiert.
  • 2. Du gehst vom falschen Gender aus. „Hey, gutaussehender Mann, was kann ich dir holen?“ Und wenn der User eine Frau ist? Benutze neutrale Sprache.
  • 3. Du lässt den User ratlos zurück. „Ich stehe hier in Berlin und weiß nicht, was ich machen soll.“ Okay, und jetzt? Der User braucht einen Hook, nicht eine Wand aus Passivität.
  • 4. Du schreibst zu kurz. „Tomoko nickt dir zu.“ Fertig. Nein. Das ist keine First Message, das ist ein Gedankenstrich.
  • 5. Du sprichst für den User. „Mike geht in den Laden und sieht Tomoko, er fragt…“ Nein, das ist EINE Person, die für zwei redet.

Was stattdessen funktioniert

  • Szene beschreiben (Ort, Zeit, Atmosphäre) in zwei bis drei Sätzen, damit der User sich verorten kann.
  • Tomoko physisch einführen: was macht sie gerade, wie sieht sie aus im Moment.
  • Direkt eine Frage oder Bemerkung von ihr an den User, die eine offene Antwort einlädt.
  • Nie länger als 90-110 Wörter, sonst wirkt sie wie ein Vortrag.
  • First-Person-Perspektive aus Tomokos Sicht, eingeleitet mit einer Aktion in Sternchen, beispielsweise (sie zieht an ihrer Rollie).

Schritt 3: Die First Message für Tomoko

Jetzt bau ich die First Message, die du gleich im Chat sehen wirst. Ich führe dich durch mein Denken, damit du das Prinzip übernehmen kannst.

Die Szene (aus dem Scenario-Feld, kommt gleich): es ist 22:40 Uhr in Berlin-Neukölln, Ende April, leichter Nieselregen. Tomoko hat gerade Feierabend vom Tresen im Kaffee Kiew. Sie wartet auf die M10-Tram, die in acht Minuten kommt. Sie steht unterm Vordach einer geschlossenen Späti in der Weserstraße, raucht eine Pueblo-Rollie. Der User kommt durchnässt die Straße hoch, offensichtlich auf der Suche nach einem Bier.

Die erste Nachricht, die sie ihm sagt:

Sie zieht an ihrer Rollie, der Rauch vermischt sich mit dem Nieselregen. Sie mustert dich kurz, halb genervt, halb amüsiert.

„Späti hat seit Mitternacht zu, falls du’s suchst. Lucky-Strike hab ich noch eine, wenn du rauchen willst, aber Bier kriegst du hier nicht mehr. Die Jungs nebenan machen bis zwei, der Eingang ist so ein Schlitz zwischen dem Döner und dem Blumenladen, sieht man fast nicht. sie hält dir die Packung hin Was ist los, nasse Schuhe?“

149 Tokens. Checkt alle Kästchen:

  • Szene ist gesetzt (Zeit, Ort, Regen, Vordach)
  • Tomoko ist physisch verankert (Rollie, Rauch, Blick)
  • Sie stellt eine offene Frage („Was ist los, nasse Schuhe?“)
  • Sie bietet etwas an (Zigarette, Info über den anderen Späti)
  • Keine Entscheidung für den User (er entscheidet, ob er die Zigarette nimmt, ob er redet, ob er weitergeht)
  • Keine Gender-Annahme („nasse Schuhe“ funktioniert für alle)
  • Länge okay (knapp 80 Wörter), nicht zu kurz, nicht zu lang

Vergleich dazu die miese Version, die ich an einem schlechten Tag geschrieben hätte:

„Tomoko schaut dich an und lächelt. ‘Hallo Mike, willkommen in Berlin.’“

Das ist, was die Plattform-Standardbeispiele für Miles Morales vorschlagen. Keine Szene, kein Kontext, falscher Name (Mike, was wenn der User Anna heißt?), keine Aktion, keine offene Tür. Der Chat stirbt in drei Nachrichten.

Scenario- und First-Message-Felder im GirlfriendGPT-Formular

Schritt 4: Das Scenario-Sheet (fünf Unterfelder)

Das Scenario ist der Kontext-Rahmen, in dem Tomoko existiert. Die meisten Creator füllen das Feld schlampig aus, weil die First Message schon so viel Arbeit war. Fehler. Das Scenario ist das, was der Bot in der 50. Nachricht noch weiß, wenn die erste Szene längst vergessen ist.

Ich teile das Scenario in fünf (sechs mit Dialogue Instructions) Abschnitte, wie es auch Madville empfiehlt.

System

Kommt leer. Anfassen nur wenn du weißt, was du tust. Ich weiß es nicht genau, und das Ergebnis ist trotzdem gut. Also: lass es.

Setting

Das ist die Welt, in der Tomoko lebt. Nicht die Szene der ersten Nachricht, sondern alles drumherum. Locations, Atmosphären, Details, die der Bot später referenzieren kann.

Weserstraße Neukölln, das Kaffee Kiew (Punk-Café, laute Musik, eklektische Deko, Ben am Tresen gegenüber), die Späti gegenüber mit versteckt Eingang zwischen Döner und Blumenladen, Tomokos WG mit Ben am Hermannplatz, das Tattoo-Studio in der Oranienstraße Kreuzberg (Mentorin Kat, Studio heißt Kuroi Bori), die M10-Tram-Haltestelle, die Mutter Yumis Wohnung in der Sonnenallee.

Der Bot kann jetzt, wenn du fragst „wo ist dein Studio?“, die Oranienstraße referenzieren. Wenn du fragst „wo wohnt deine Mutter?“, die Sonnenallee. Ohne Setting wüsste er das nicht und würde sich was erfinden, was beim zweiten Chat schon wieder anders ist.

Characters

Hier definierst du die Hauptfigur (Tomoko) und optional wichtige Nebenfiguren. Kurz halten.

Hauptfigur: Tomoko Weber, siehe Description und Personality. Nebenfiguren, die in Gesprächen auftauchen können: Kat (Mentorin im Studio), Ben (WG-Mitbewohner und Kollege), Yumi (Mutter), Lina (Chef-Barista), Paul (Ex, wird nur erwähnt wenn es passt).

Beachte die Formulierung „wird nur erwähnt wenn es passt“. Das ist eine Steueranweisung für den Bot. Ohne sie könnte er Paul alle drei Nachrichten reinwerfen, weil er dort im Character-Sheet steht.

Plot

Kurze Zusammenfassung des Szenarios. Spiegelt die First Message wider, gibt aber mehr Kontext.

{{char}} hat gerade ihre Tresenschicht im Kaffee Kiew beendet. Sie wartet auf die M10-Tram. Es regnet leicht. Sie raucht eine Rollie unterm Vordach einer geschlossenen Späti. {{user}} kommt durchnässt vorbei, auf der Suche nach einem Bier. Sie kennen sich nicht, das ist die erste Begegnung. Tomoko kann je nach Interaktion offen oder verschlossen reagieren.

Wichtig: {{char}} und {{user}} sind Platzhalter, die die Plattform automatisch ersetzt. {{char}} wird zu Tomoko, {{user}} wird zum Namen des Users aus seinem Profil. Nutze die Platzhalter immer, statt die Namen hardcoded reinzuschreiben. Spart dir beim nächsten Character das Suchen-und-Ersetzen.

AI Guidelines

Das ist eine Template-Section. Ich hab mein eigenes Template, das ich von Community-Creator @RakkaRocks abgekupfert und auf Deutsch angepasst habe. Kopier es für deinen ersten Bot, justier später.

{{char}} ist adaptiv und reagiert auf den Ton von {{user}}. {{char}} bleibt konsistent zu Description und Personality. {{char}} gibt Details nur wenn sie passen, nicht info-dumpend. {{char}} benutzt kurze bis mittlere Nachrichtenlängen (zwei bis vier Sätze), es sei denn eine längere Szene verlangt mehr. {{char}} schreibt in erster Person. {{char}} nutzt gelegentlich japanische Interjektionen („mou yada“, „ara“) und deadpan Humor. {{char}} zwingt {{user}} nie zu Aktionen, bietet aber offene Türen.

AI Dialogue Instructions

Hier wird es nochmal spezifischer. Was darf der Bot NICHT tun, was soll er IMMER tun.

{{char}} spricht nie für {{user}}. {{char}} nutzt erste Person. {{char}} hat einen eigenen Sprachstil (kurze Sätze, berlinerische Färbung ohne Übertreibung, gelegentlich Japanisch). Bei intimen Szenen lässt {{char}} {{user}} das Tempo bestimmen. Bei längeren Szenen bevorzugt {{char}} mehrere mittlere Nachrichten statt einer riesigen. Wenn Zahlen erwähnt werden, schreib sie als Wörter („drei“ statt „3“), das hilft dem Sprachmodell.

Letzter Tipp in diesem Feld: Zahlen als Wörter. Klingt komisch, aber Sprachmodelle sind schlechter in arithmetischer Konsistenz. Wenn du schreibst „Tomoko hat 3 Katzen“, wirst du später Chats haben, in denen es plötzlich 7 sind. Dann neun. Dann siebzehn.

Confused math lady mit schwebenden Gleichungen

Wenn du schreibst „Tomoko hat drei Katzen“, bleibt das Modell stabiler. Weiß ich aus Erfahrung.

Tags, Voice und der Create-Button

Bevor du auf Create klickst, drei Dinge, die viele überspringen und dann wundern sie sich, warum ihr Bot nicht erstellt wird.

Tags. Mindestens einer ist Pflicht, sonst ist der Create-Button gesperrt. Für Tomoko hab ich drei gesetzt: Female, Scenario, Romantic. Nicht mehr. Tags helfen der Plattform bei der Kategorisierung, aber für private Bots ist es eh egal. Maximal zehn sind erlaubt, ich bleib bei zwei bis vier.

Die drei ausgewählten Tags Female Scenario Romantic auf GirlfriendGPT

Voice. Auch Pflicht. Unter dem Feld Character Voice findest du zehn männliche und sechzehn weibliche Stimmen. Für Tomoko hab ich Female Voice 1 genommen, eine tiefere weibliche Stimme mit leicht rauchigem Touch, die zum Character passt. Wenn du Premium bist, kannst du im Chat die Voice-Funktion nutzen, um Nachrichten vorlesen zu lassen. Kostet Coins, ist aber manchmal die Immersions-Zutat, die fehlt.

Die Checkbox für Community Guidelines. Zuunterst. Leicht zu übersehen. Ohne Haken, kein Create-Button. Mein erster Bot: drei Minuten starrend auf den Create-Button, der nichts macht. Bis ich runtergescrollt hab.

Homer Simpson Facepalm D'oh
Voice 1 Female ausgewählt und Community Guidelines Checkbox gesetzt

Token-Counter unten links sollte jetzt unter 2.500 liegen. Bei Tomoko steht er bei 938, genug Puffer. Create klicken. Der Button ist kurz gesperrt, dann landest du automatisch auf My Characters und siehst deine neue Tomoko neben anderen Bots, die du schon hast.

Tomoko und Helena Karten nebeneinander in My Characters

Der erste Test-Chat

Klick auf die Tomoko-Karte öffnet ihre Profilseite. Start New Chat, und du bist drin. Die First Message erscheint, die Plattform füttert den Bot mit allen deinen Scenario-Inputs, und jetzt geht’s los.

Tomoko Profilseite mit Portrait, Tags und Start New Chat Button

Was du jetzt siehst, wenn der Chat öffnet: der First Message Block rendert wie geschrieben, Tomoko steht unter ihrem Vordach, Rauch, Nieselregen, Rollie. Und darunter ein Suggested-Reply-Feld, das dir einen möglichen User-Einstieg vorschlägt. Der Vorschlag ist meistens nicht gut, ich ignoriere ihn, tipp selbst was ein.

Offener Chat mit Tomoko: First Message gerendert + Suggested Reply

Der vorgeschlagene Reply war: „Danke, eine für später. nimmt Zigarette, nickt zur Seite. Ich such’ was Warmes.“ Harmlos, aber okay als Starter.

Was ich dir empfehle jetzt zu tun: zehn Minuten mit Tomoko chatten. Nicht länger. Du willst sehen, ob sie konsistent in Character bleibt, ob sie die japanischen Interjektionen einbaut (Testfrage: frag sie auf Japanisch was, お元気ですか? reicht), ob sie die Commitment-Angst zeigt wenn du zu schnell intim wirst. Wenn sie durchfällt an einem Punkt, zurück ins Character-Formular, angepasst, neu speichern.

Ich hab bei Tomoko nach zehn Minuten zwei kleine Anpassungen gemacht: sie hat in der dritten Nachricht Paul sofort erwähnt, was mir zu früh war (die AI-Guideline für „wird nur erwähnt wenn es passt“ war zu schwach formuliert, ich hab sie geschärft). Und sie hat den Rauchgeruch nicht mal nebenbei erwähnt, obwohl er im Setting steht, also hab ich das ins Personality-Feld gezogen, spezifisch.

Die gute Nachricht: Änderungen am Character-Sheet wirken sofort im nächsten Chat. Kein Neustart nötig, kein Bot-Rebuild. Du justierst, testest weiter, justierst.

Was du jetzt hast (und was als Nächstes kommt)

In 45 Minuten hast du einen Bot, der nicht wie ein Miles-Morales-Platzhalter aussieht:

  • ein Portrait, das du selbst generiert hast,
  • 938 Tokens Persönlichkeit, auf acht Ebenen durchgearbeitet,
  • eine First Message, die alle fünf klassischen Fehler vermeidet,
  • ein Scenario-Sheet, das den Bot über Monate spielbar hält.

Vor allem hast du die Methodik. Der nächste Bot, den du baust, dauert halb so lang, weil du die Reihenfolge jetzt im Kopf hast. Rückwärts arbeiten, Persönlichkeit in acht Schichten, First Message gegen die fünf Fehler checken, Scenario in fünf Subs splitten, Tags und Voice nicht vergessen, Checkbox haken.

Ich arbeite gerade an einem Folgeguide zum Testen und Tuning, wo ich dir zeige, wie man einen Bot über 20 Chats hinweg fein justiert, Memory-Sachen einstellt, und ein paar Tricks, die man nicht in der offiziellen Dokumentation findet. Kommt in den nächsten zwei Wochen.

Bis dahin: mach deinen ersten eigenen Character. Nimm einen aus deiner Ideen-Liste, oder erfinde einen. Kopier mein Template, adaptiere es, probier es aus. Ich hab diesen Guide geschrieben, damit du nicht die gleichen Stolperschleifen hinter dich bringen musst wie ich.

Und wenn dein Bot am Ende irgendwo in Neukölln unter einem Vordach steht und eine Rollie raucht, dann sorry, das Konzept hab ich schon. Hol dir deins woanders.

Niklas Brenner
Über den Autor

Niklas Brenner

Gründer & Cheftester, KI-Freundin Kompass

Ich teste KI-Freundin-Apps seit über zwei Jahren, mit echtem Geld, echten Abos und hunderten Stunden Gesprächen. Mein Ziel: ehrliche, detaillierte Reviews ohne Marketing-Bullshit. Wenn eine App gut ist, sag ich’s. Wenn sie Schrott ist, auch.

SUPPORT.EXE
Vanessa, die KI-Assistentin
ID: VAN-001
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04 // KONTAKT

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>vanessa@kifreundin-kompass.de

Vanessa, meine Assistentin (die Hottie auf dem Foto), möchte dich gerne auf einen Drink einladen. Schreib ihr einfach zurück. Ne, Quatsch. In Wahrheit bin ich das, der in Boxershorts von seinem Gaming-Stuhl aus antwortet. Also bitte keinen verrückten Kram an Vanessa schicken.

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